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                Uebersicht

                Die Grafschaft Ravensberg

 

 

                               

 

Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich in Ostwestfalen ein großes Herrschaftsgebiet unter dem Herzog von Juelich, Kleve und Berg, Graf der Mark und Ravensberg mit Hauptsitz und Zentralverwaltung in Duesseldorf gebildet. Die Grafschaft Ravensberg umfasste damals vier Verwaltungsgebiete, die um die Burgen Ravensberg, Sparrenberg, Vlotho und Limberg als Schutzbezirke fuer die Landbevoelkerung entstanden waren und als gleichnamige Aemter die Regionalverwaltung darstellten. Die Aemter waren eingeteilt in Vogteien, denen Voegte vorstanden. Die Vogteien wiederum zerfielen in Kirchspiele. Die Aemter werden 1286 und die Vogteien 1321 erstmalig urkundlich [6]:

Die Verwaltungsaufgaben erstreckten sich auf das Finanz-, Militaer- und Polizeiwesen. Sie wurden von Beamten ausgefuehrt. Bis zur Fertigstellung des ersten Urkatasters, dem Urbar der Grafschaft Ravensberg von 1556 [1], hatten Verwaltungsreformen dafuer gesorgt, dass die weitab von der Zentralverwaltung taetige, vielfach gewissenlose Beamtenschaft diszipliniert und zu verlaesslich gerechter Aufgabenerledigung verpflichtet wurde. Zu dieser Zeit war Ravensberg aufgeteilt in die Aemter

            1.    Ravensberg mit den Vogteien Halle, Versmold und Borgholzhausen
            2.    Sparenberg mit Werther, Heepen, Schildesche, Brockhagen, Brackwede und Enger
            3.    Limberg mit Buende und Oldendorf
            4.    Vlotho mit Vlotho und Wehrendorf,

und jede Vogtei in verschiedene Kirchspiele und Bauerschaften. Waehrend im Amt Sparenberg nur Brockhagen aus einem einzigen Kirchspiel bzw. einer einzigen Bauerschaft bestand, umfassten die uebrigen Vogteien zahlreiche Bauerschaften. Zu der im folgenden betrachteten Vogtei Brackwede gehoerten die Bauerschaften

            2a.    Sandhagen
            2b.    Kirchdornberg
            2c.    Hoberge
            2d.    Niederdornberg und Deppendorf
            2e.    Obersteinhagen
            2f.     Quelle
            2g.    Ummeln und Senne
            2h.    Brackwede
            2i.    Groß-Dornberg
            2j.    Babenhausen
            2k.    Niedersteinhagen
            2l.    Isselhorst

wobei Ober- und Niedersteinhagen das Kirchspiel Steinhagen bildeten. Von diesen 12 Bauerschaften sind die zur Vogtei Brackwede gehoerenden, nach dem Urbar von 1556 fortgeschriebenen staatlichen Aufzeichnungen wiedergegeben, in der vorliegenden Website abgebildet, sortiert und zeitlich geordnet (vgl. linke Spalte).

Nach Beendigung des Juelisch-Kleveschen-Erbfolgestreites gelangte Ravensberg 1614 in den Besitz der Kurfuersten von Brandenburg. 1647 schließlich wurde Ravensberg Bestandteil des Brandenburg-Preußischen Staates, ab 1649 die Sparenburg oberhalb Bielefelds zur Festung ausgebaut und die Leinenweberei nachhaltig durch den Großen Kurfuerst gefoerdert. Auf dem Lande begannen zunehmend Flachsbau, Spinnen und Weben ein unentbehrlicher Nebenerwerbszweig zu werden. Der Handel mit diesen Produkten blieb nach einem Patent von 1670 jedoch ausschließlich den staedtischen Kaufleuten vor allem in Bielefeld vorbehalten. Auf der anderen Seite staerkte die Verwaltung die Leistungskraft der laendlichen Eigenbehoerigen, die Domaenenbeamten mußten die Steuerbelastungen erleichtern, die Abgaben bei Ungluecksfaellen oder schlechten Ernten mildern bzw. ganz aussetzen.

Mit der Kroenung des Kurfuersten zum Koenig gehoerte Ravensberg seit 1701 zu Preußen. Militaer- und Beamtenstand wurden ausgebaut, die noch verbliebene Regionalzustaendigkeit nach und nach durch einen zentralistischen, monarchischen Beamtenstaat ersetzt und die Verwaltung im geeinten Staatsgebiet vereinfacht und vereinheitlicht. 1719 legte man die Verwaltung der Grafschaft Ravensberg mit der von Minden zusammen. Ravensberg hoerte als Verwaltungseinheit auf zu existieren, es ging auf in dem neuen Verwaltungskoerper von Minden-Ravensberg. Die strenge Zucht und Ueberwachung durch die Zentralstelle in Berlin schufen eine Beamtenschaft, die fortan im Geist gewissenhafter Pflichterfuellung dem Staat diente. Mit der Verwaltungsreform 1722/1723 wurden Oberste Behoerden eingefuehrt, u.a. fuer Minden-Ravensberg die Kriegs- und Domaenenkammer mit Sitz in Minden (KDK).

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts litten die Ravensberger Bauern unter der drueckenden Last der Kriegssteuern, die fuer die Feldzuege Preußens gegen Oesterreich dringend benoetigt wurden. Hinzu kamen die Verwuestungen und Pluenderungen der durchziehenden franzoesischen Truppen, die erst 1763 ein Ende fanden. Nach den Schlesischen Kriegen setzte sich Friedrich der Große in seinen verbleibenden Lebensjahren großzuegig fuer die Wiedergutmachung ein und verteilte allein in Ravensberg mehr als 100.000 Morgen Heideland und Moor kostenlos an seine Untertanen (Markenteilung).

In der napoleonischen Zeit geriet auch Minden-Ravensberg 1807 unter die franzoesische Fremdherrschaft und erhielt eine gaenzlich neue Verwaltungsstruktur nach dem Vorbild der Verwaltungsordnung in Frankreich. Das "Koenigreich Westfalen" gliederte man in Departments, Districte, Kantons und Municipalitaeten. Die hier interessierenden Gebiete fielen dem Weserdepartment, District Bielefeld, Kanton Brackwede zu. Nach der Befreiung 1813 begann die Neuordnung Preußens, die heutige Provinz Westfalen wurde gebildet. 1816 erfolgte die Einfuegung der ehemaligen Grafschaft Ravensberg in den preußischen Gesamtstaat, die letztlich im Bundesland Nordrhein-Westfalen der BRD muenden sollte.

Weiterfuehrende Einzelheiten ueber die Geschichte und Entwicklung der Grafschaft Ravensberg koennen in der zahlreichen Literatur nachgelesen werden. Verwiesen wird hierzu neben Schoneweg [6] auch auf Weddingen [7], Ludorff [8], Tuempel [9], Engels [10], Rothert [11], Schmidt [12], Wolf [13], Griese [14] und Militz [15].